Der 2. Tag

Am nächsten Morgen wurde sich früh wieder versammelt und kurze Zeit später losgelaufen. Mit guter Stimmung bewegte sich der Marsch singend und lautstark durch mehrere Dörfer und Landstraßen. An Passant_innen wurden Informationsflyer über die aktuelle Situation in Kurdistan und den „Langen Marsch der Jugend“ verteilt. Während der Pausen wurde gemeinsam getanzt und gegessen.
Relativ früh begannn die Polizei die Demonstration abzufilmen und zu provozieren. Nachdem der Marsch ein Dorf verlassen hatte, stoppte die Polizei die Demo und versuchte mehrere Leute aus der Demo zu ziehen, um ihre Personalien festzustellen. Daraufhin kam es zu Rangeleien, und vier Genoss_innen wurden für etwa eine Stunde zur Personalienkontrolle festgehalten und unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung angezeigt. Danach konnte ohne weitere Zwischenfälle weitergelaufen werden.
In Rheinau endete die Demo für den Tag und die am Marsch teilnehmenden Genoss_innen wurden von solidarischen Familien aufgenommen.

Der „Lange Marsch der Jugend ist auch im Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Kurdistan zu sehen. Seit 2009 findet in Nordkurdistan (türkischer Staat) eine massive Verhaftungswelle im Rahmen der sogenannten KCK-Verfahren statt: mehr als 7000 Aktivist_innen der Bewegung sitzen wegen ihres Engagements in türkischen Gefängnissen. In Südwestkurdistan (syrischer Staat) wurden in den letzten Wochen in einem Großteil der kurdischen Gebiete die syrischen Institutionen abgeschafft, das Militär vertrieben und sich seitdem basisdemokratisch in Form von Räten organisiert. Zudem ist es der Guerilla in Nordkurdistan gelungen, verschiedenste Gebiete zu befreien und mittlerweile über mehrere Wochen unter ihrer Kontrolle zu halten.
Abdullah Öcalan, der von vielen Kurd_innen als ihr Repräsentant gesehen wird, wird seit 1999 auf der Gefängnisinsel Imrali gefangen gehalten und befindet sich bereits seit über 400 Tagen in Totalisolation. Das heißt, dass ihm jeglicher Kontakt zu seinen Anwält_innen, Angehörigen und zur Bewegung verwehrt wird.
Der Marsch versucht hier in der BRD, oder zumindest auf seinem Weg, das Schweigen zu brechen und Licht auf diese Fakten zu werfen.